Stromaufwärts
Automobil  Alternative Antriebe  11.06.2019

An der Leine

Anfang Mai fiel der offizielle Startschuss: Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatsekretärin im Bundesumweltministerium, gab die erste deutsche Teststrecke für Lkw mit Oberleitung frei. Nicht irgendwo auf einem versteckten Gelände im Wald, sondern auf der A5 zwischen Frankfurt und Darmstadt, einem der am stärksten befahrenen Autobahnabschnitte in Deutschland.


Mit vier schnurgeraden Spuren in jede Fahrtrichtung ist sie der Inbegriff dessen, was jenseits des Atlantiks als „German Autobahn“ bekannt ist. Vorerst fährt auf dem fünf Kilometer langen elektrifizierten Teil der Strecke nur ein einziger Lkw der Spedition Schanz. Bis Mitte kommenden Jahres soll die Flotte auf fünf Fahrzeuge anwachsen – genug um erste Erfahrungen mit einer ganz neuen Technik zu sammeln, die den CO2-Ausstoß aus dem Straßengüterverkehr verringern soll. Notwendig ist das: Denn selbst wenn zweieinhalb mal soviel Güter per Bahn transportiert würden, nähme der Lkw-Verkehr in Deutschland bis zum Jahr 2050 um rund 60 Prozent zu, so das Umweltbundesamt. Das Internationale Transportforum schätzt sogar, dass sich die CO2-Emissionen aus dem Straßengüterverkehr bis zum Jahr 2050 verdoppeln könnten.

On the Line
On the Line
FST Essential
FST Essential

Die Infrastruktur

Damit der Strom zum Lkw kommt, wurde der rechte Fahrstreifen in beiden Richtungen mit einer Oberleitung versehen, getragen von insgesamt 231 Masten. Zwei sogenannte „Unterwerke“ entnehmen den Strom an einer Autobahnraststätte aus dem Mittelspannungsnetz und transformieren ihn von 10.000 auf 670 Volt. Zudem wandeln sie die Wechselspannung aus dem Netz in die Gleichspannung, die für die Oberleitung benötigt wird. Die elektrische Infrastruktur entspricht in etwa der Technik, die bei O-Bussen in der Schweiz eingesetzt wird. Anders als bei der Eisenbahn ist keine Schiene für die Erdung vorhanden. Deshalb werden zwei Fahrdrähte installiert, einer dient als Plus-, der andere als Minuspol. Über die Leitungen kann Strom auch ins Netz zurückgespeist werden, wenn der Lkw bremst – der Elektroantrieb arbeitet dann als Generator.

Laster mit Stromabnehmer

Jeder Laster, der den Strom aus der Oberleitung nutzen will, braucht einen Stromabnehmer, von Fachleuten Pantograph genannt. Er lässt sich bei voller Fahrt ausfahren und einziehen, sonst wäre es einem Oberleitungs-Lkw nicht möglich, ein langsameres Fahrzeug zu überholen oder bei blockierter Spur seine Fahrt fortzusetzen. Für kurze Strecken speichert der Lkw – im Versuch sind es Fahrzeuge von Scania – die Energie in einer Batterie an Bord. Verlässt der Lkw das Testfeld, springt der Dieselmotor an, der weiterhin an Bord ist. Vermutlich ist Hybridantrieb auch dann die richtige Lösung, falls sich die Technik durchsetzt: Denn der große Vorteil des Lkw gegenüber der Bahn ist seine hohe räumliche Flexibilität.

Auch in der aktuellen Ausgabe unseres Kundenmagazins ESSENTIAL berichten wir darüber, wie der Lkw-Verkehr klimafreundlicher gestaltet werden kann. Lesen Sie hier mehr.


×

ISS – der Online-Markplatz für Industriekomponenten

Die ISS-Plattform umfasst bereits mehr als 40.000 Artikel, von O-Ringen über pneumatische Dichtungen bis hin zu Stangendichtungen.