FST Schweden Digital
Digitalisierung  02.04.2019

Schwedens digitale Begeisterung

Schweden-Urlauber merken schnell, dass das Land ein wenig anders tickt. Egal ob Parkticket, ein Imbiss im Fußballstadion oder die Nutzung des Nahverkehrs: Mit Münzen und Scheinen kommen sie oft nicht mehr weit. Das bargeldlose Bezahlen per Bankkarte oder Smartphone-App gehört längst zum Alltag. Doch das ist nur ein kleines Indiz dafür, dass das Land ein digitaler Vorreiter ist.

Für das Forbes-Magazin war Schweden 2018 der attraktivste Wirtschaftsstandort überhaupt. Insbesondere bei Innovationen punktet das skandinavische Land stark. Das liegt nicht zuletzt daran, dass das diesjährige Partnerland der Hannover Messe keinerlei Berührungsängste gegenüber dem digitalen Zeitalter zeigt. Standen in den zurückliegenden Jahrzehnten primär Firmen wie Volvo, Ericsson, Tetra-Pak und Scania für Qualität „Made in Sweden“, so sind dies heute obendrein die Streamingplattform Spotify, der Payment-Service-Provider Klarna und der Online-Spieleentwickler Mojang. Auch Skype wurde von einem schwedischen Unternehmer mitgegründet. Skype und Mojang gehören inzwischen zu Microsoft. Insgesamt elf Milliarden US-Dollar ließ sich der US-Konzern die beiden Übernahmen kosten. Acht Start-ups aus der schwedischen Hauptstadt haben heute den Rang eines Einhorns. Das heißt, sie werden mit mehr als einer Milliarde US-Dollar bewertet. Nur das Silicon Valley hat eine höhere Anzahl vorzuweisen.

Regierung und Wirtschaft ziehen an einem Strang

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Doch warum haben Unternehmer aus dem skandinavischen Land die Möglichkeiten der Digitalisierung so schnell und erfolgreich verinnerlicht? Schweden gelten gemeinhin als sehr aufgeschlossen, sobald es um den technischen Fortschritt geht. Zudem herrschte von Anfang an ein großes Vertrauen in die Chancen der Digitalisierung. Ein Sachverhalt, zu dem Ericsson als IT- und Kommunikationsunternehmen von Weltrang frühzeitig beigetragen haben mag. Neben der Wirtschaft erkannte auch die Regierung früh die positiven Aspekte der Digitalisierung. Beide trieben und treiben gemeinsam die digitale Transformation des Landes voran. Hilfreich war dabei eine nationale digitale Gesamtstrategie, die schon vor rund zehn Jahren im Austausch mit der Bevölkerung entstanden war. Sie soll dazu beitragen, Schweden einen Platz in der Liga der weltweit führenden Industrienation zu sichern. Nach dem Wunsch der Regierung sollen schwedische Unternehmen bei der Umsetzung von Industrie 4.0 zur Weltspitze zählen und damit das Land international wettbewerbsfähig halten. Gemeinsam mit den benachbarten Nationen wird ein grenzüberschreitendes 5G-Netz in den Blick genommen, um Handel und Produktion rasch sowie umfassend zu digitalisieren. Daneben bringt Schweden in einem „Breitband-Forum“ Vertreter der Regierung, der Industrie und anderer Organisationen zusammen, um den Breitbandausbau im eigenen Land schnellstmöglich zu realisieren. Schon 2020 sollen 95 Prozent aller schwedischen Haushalte daran angebunden sein, Schäreninseln inklusive.

Vereinfachter Alltag

Auch im Bildungssystem, im Gesundheitswesen und bei der Interaktion mit den Behörden eröffnet die Digitalisierung neue Chancen. Jeder Schwede verfügt über eine Identifikationsnummer. Die Kommunikation mit Behörden, Ärzten und Banken ist an diese digitale Kennung gebunden, und macht Alltägliches einfacher sowie effizienter. Inzwischen bietet der schwedische Staat seinen Bürgern rund 3.000 elektronische Dienstleistungen an. Formulare für das Finanzamt lassen sich anhand der verfügbaren Daten vorbefüllen und per SMS vom Steuerzahler gegenüber dem Finanzamt bestätigen. Da passt es ins Bild, dass inzwischen fast Dreiviertel aller Geschäfte bargeldlos abgewickelt werden. Selbst unter die Haut implantierte Chips, die sich für das bargeldlose Bezahlen nutzen lassen, erfreuen sich in Schweden größerer Beliebtheit als anderswo. Bereits 4.000 Schweden sollen einen solchen Chip tragen.

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Überaus positives Umfeld für Start-ups

Und wer im beruflichen wie privaten Alltag beständig die Vorteile der Digitalisierung genießt, der entwickelt vielleicht auch schneller eigene Ideen, was sich noch alles realisieren ließe. Die Rahmenbedingungen dafür sind in Schweden jedenfalls hervorragend. Arbeitnehmer können jederzeit für sechs Monate eine unbezahlte Auszeit nehmen, um einer eigenen Geschäftsidee nachzugehen. Ein Puzzlestück, das zu einer überaus lebendigen Start-up-Kultur von Stockholm bis Malmö beigetragen hat. Hinzu kommt die in Schweden ohnehin gesellschaftlich stark verankerte Teamarbeit, die sich in der Kooperation von Unternehmen und Start-ups niederschlägt. Zahlreiche Institutionen (wie Inkubatoren und Acceleratoren) erleichtern Firmengründern den Start. Finanzielle Unterstützung und Netzwerke lassen sich leicht mobilisieren. Obendrein genießen Gründergeist und Unternehmertum in der Gesellschaft einen vergleichsweise hohen Stellenwert. Die Grundlagen dafür werden bereits in der Schule und im Studium gelegt. Schwedische Start-ups sind aktuell weltweit führend im Bereich Fintech, Onlinehandel, Gesundheitstechnologien oder auch Künstliche Intelligenz und Cybersicherheit. Der grenzüberschreitende Erfolg hängt damit zusammen, dass wachstumsorientierte Unternehmen von Anfang an international denken. Hinzu kommt, dass Schweden laut Innenminister Mikael Damberg eines der trendsensibelsten Länder der Welt sei. Das mache es für internationale Unternehmen als exzellenter Testmarkt für neue Produkte interessant. Kein Wunder, dass die Hannover Messe das digital-begeisterte Schweden zum diesjährigen Partnerland erkor.


Bis Sommer beleuchten wir an dieser Stelle und in der Mai-Ausgabe unseres Kundenmagazins ESSENTIAL verschiedene Facetten der Digitalisierung. Lesen Sie hier mehr.


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