Fuel Cells
E-Mobilität  05.02.2019

Setzt die Brennstoffzelle den Blinker?

Die Elektromobilität hatte lange Zeit einen äußerst schweren Stand. Allmählich entwickeln sich die Absatzzahlen für E-Autos jedoch nach oben. Im Fokus stehen Autos mit Batterieantrieb. In Fernost setzen Automobilhersteller und Regierungen jedoch auch auf die Brennstoffzelle und verfolgen ambitionierte Ziele. Kommt der alternative E-Antrieb langsam ins Rollen?

Wenn es nach Südkorea geht, dann gehört dem Wasserstoff die Zukunft. In den letzten Monaten ließen entsprechende Verlautbarungen aus dem asiatischen Land weltweit aufhorchen. Die Hyundai-Motor-Group kündigte an, ganz massiv in die Produktion von Brennstoffzellensystemen zu investieren. Diese wandeln Wasserstoff in Strom um und treiben damit Fahrzeuge emissionsfrei an. Bis 2030 soll die jährliche Produktionskapazität von Hyundai sage und schreibe 700.000 Brennstoffzelleneinheiten umfassen. Eine enorme Menge, wenn man bedenkt, dass der südkoreanische Autobauer im vergangenen Jahr gerade einmal 2.000 Brennstoffzellenmodelle gebaut hat. Zum Sprung nach vorne soll schon 2019 angesetzt werden. Der Nexo, das zweite Brennstoffzellenmodell von Hyundai, soll in diesem Jahr fünfstellige Bauzahlen erreichen. 2025 will Hyundai 100.000 Brennstoffzellenfahrzeuge herstellen. Bei einer Gesamtsumme von dann jährlich rund 100 Millionen PKW, die weltweit gebaut werden, ein immer noch überschaubarer Wert. Doch die Südkoreaner sind gewillt, auf mit Wasserstoff betankte Fahrzeuge zu setzen.

Massive Investitionen

Knapp sechs Milliarden Euro will Hyundai in Forschung und Entwicklung investieren und daneben seine Produktionsstätten erweitern. Der Bau der zweiten Brennstoffzellenfabrik nimmt bereits Konturen an. Von den 700.000 Einheiten, die 2030 gebaut werden, sollen 500.000 der eigenen Produktion von Autos und Nutzfahrzeugen zugeführt werden. 200.000 sollen an andere Autobauer gehen, aber auch an Produzenten von Schiffen, Drohnen und Schienenfahrzeugen. Damit soll der Wasserstoff für andere Transportmittel als Antriebsstoff relevant werden.

Fuel Cells

Wasserstoff-Infrastruktur

Der südkoreanische Staat soll das Investment der Hyundai Motor Group in die Brennstoffzelle flankieren. Mit derzeit 14 Wasserstoff-Tankstellen im Land ließen sich die Verbraucher schließlich nur schwerlich zum Kauf eines Brennstoffzellenfahrzeugs bewegen. 2022 soll das Netz schon aus 310 Tankstellen bestehen, bis 2040 gar aus 1.200. Die Regierung will zudem den Kauf von Brennstoffzellenautos stark subventionieren. In ersten Überlegungen war davon die Rede, einen Preis pro Fahrzeug von etwa 30.000 Euro zu ermöglichen. Auch der Wasserstoff selbst soll deutlich günstiger werden.

Olympische Spiele als Schaufenster

Mit seiner Begeisterung für die Brennstoffzelle ist Südkorea nicht allein. Ende 2017 war Japan mit knapp 100 Wasserstofftankstellen weltweit führend und die Ausweitung des Netzes soll engagiert angegangen werden. Dazu wird eine Partnerschaft von Energieunternehmen mit diversen heimischen Automobilherstellern beitragen. Wenig verwunderlich, bauen doch Toyota mit dem Mirai und Honda mit dem Clarity inzwischen Brennstoffzellenmodelle in Serie. Die japanische Regierung hat ebenfalls ihre Absicht bekundet, der Technologie Rückenwind zu verleihen. Toyota will zudem ein anstehendes Großereignis nutzen, um für Fahrzeuge zu werben, die über einen Wasserstoffantrieb verfügen. Bei den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio sollen die Sportler von mit Brennstoffzellen ausgestatteten Bussen und PKWs transportiert werden. Der Autobauer ist grundsätzlich bestrebt, die Kosten für Brennstoffzellen-Stacks zu senken. Bei einer bis 2025 geplanten Stückzahl von jährlich 30.000 Einheiten könnten die Kosten pro System auf 8.000 Euro sinken.

China nimmt ebenfalls die Brennstoffzelle in den Blick

Auch die chinesische Regierung fördert die Elektromobilität. Bis 2030 sollen zehn Millionen Fahrzeuge auf den Straßen Chinas unterwegs sein. Doch in China verlaufen Entwicklungen gerne sprunghaft, so dass dieser Richtwert kurzfristig nach oben korrigiert werden könnte. Dabei nimmt Peking explizit die Brennstoffzelle in den Blick. Schätzungsweise könnten 2030 mehr als eine Million Fahrzeuge auf diesen Antrieb setzen. Schon macht die Zahl von 3.000 Wasserstofftankstellen die Runde, die bis dahin in das chinesische Straßennetz integriert sein sollen. Schon heute fahren tausende Busse in China mit Brennstoffzelle.

Die Brennstoffzelle könnte somit tatsächlich den Blinker setzen, um sich perspektivisch in den Verkehrsfluss der etablierten Antriebe einzuordnen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Wasserstoff lässt sich gut speichern und schnell tanken. Er ließe sich sogar per Elektrolyse völlig grün herstellen. Die Reichweite von Brennstoffzellenfahrzeugen ist zudem nicht so stark abhängig von Faktoren wie Kälte oder schnellem Fahren wie Batteriefahrzeuge. In Südkorea, Japan und China sehen jedenfalls drei Länder großes Potenzial in der Technologie.

Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, hat Freudenberg Sealing Technologies Anfang 2019 die Mehrheit an XALT Energy in Midland (Michigan/USA) übernommen. Das Unternehmen entwickelt und produziert Lithium-Ionen-Technologien für die Nutzfahrzeugindustrie. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Sie wollen mehr über Wasserstoff als Treibstoff erfahren? Lernen Sie den Kreislauf vom Wasser zum Wasserstoff und wieder zurück kennen.

Weitere interessante Informationen und Videos finden Sie auch im Artikel "Der Wendepunkt wird kommen".


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