FST Essential
Digitalisierung  04.06.2019

Volle Transparenz

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu Industrie 4.0 ist der Einsatz von intelligenten Systemen zur Fabriksteuerung. Diese „Manufacturing Execution Systems“ (MES) digitalisieren die Prozesse in der Produktion und ermöglichen einen Überblick zum Status des Maschinenparks in Echtzeit. Freudenberg Sealing Technologies hat ein MES im Werk Berlin-Adlershof eingeführt, wo der Zulieferer Pkw-Komponenten produziert.


Werkleiter Dr. Matthias Götzfried wirft einen schnellen Blick auf sein Tablet. Mit einer Pop-up-Meldung weist das System ihn auf den drohenden Stillstand an einer Maschine hin. „Die Zieltemperatur sinkt gerade unter eine kritische Schwelle“, erklärt Götzfried und benachrichtigt unverzüglich einen Mitarbeiter. Dann geht er auf dem Tablet zurück zur Startseite, die einen Überblick über den Maschinenpark zeigt. Die meisten Maschinen sind grün dargestellt: Das bedeutet, sie laufen störungsfrei und sind auf Zielleistung. Die Farbe Gelb signalisiert, dass die jeweilige Maschine derzeit zwar läuft, aber die Zielleistung nicht erreicht. Ist sie rot abgebildet, ist ein ungeplanter Stillstand aufgetreten. „Mit unserem System können wir jeden Fehler sofort lokalisieren und zügig beheben“, erläutert Götzfried.

FST Essential
FST Essential

Die Software, die der Leiter des Werks von Freudenberg Sealing Technologies am Standort Berlin-Adlershof zeigt, nennen Fachleute „Manufacturing Execution System“ (MES). In den vergangenen Jahren wurde das MES hier in der Produktion von Dichtungsbälgen und Achsmanschetten für Auto-Fahrwerke eingeführt und sukzessive ausgebaut. Besonders wichtig dabei: Ein MES ermöglicht die Steuerung der Produktion in Echtzeit, und zwar nicht nur zur Fehlerbehebung. Es verbindet auch die kaufmännischen Systeme zur Auftragssteuerung mit dem Maschinenpark. Und es erfasst nicht nur alle relevanten Betriebs- und Maschinendaten, sondern auch wichtige Prozessdaten. Entsprechend aufbereitet, lassen sich anhand dieser Daten Fertigungsabläufe, Ressourcen und Wartungsarbeiten effizienter steuern und Schnittstellen zur Materialwirtschaft einrichten, um beispielsweise Bestellungen und das in der Produktion verbrauchte Material besser aufeinander abzustimmen.

Der größte Vorteil von MES liegt jedoch darin, dass sie die Verfügbarkeit des Maschinenparks und damit die Ausbringung – also die Anzahl der ordnungsgemäß gefertigten Teile – direkt erhöhen. Die eigentliche Herausforderung liegt bei der dafür erforderlichen Digitalisierung von Maschinenparks darin, dass diese meist historisch gewachsen sind. „Da stehen hochmoderne Maschinen neben älteren, die erst einmal für ein MES einsatzbereit gemacht werden müssen,“ berichtet Götzfried. Und im Betrieb ist entscheidend, dass die Mitarbeiter die digitalen Tools auch akzeptieren. Dafür sorgt im Werk Adlershof unter anderem ein kleines Digital-Team, das die Programmierung vor Ort gemeinsam mit den jeweiligen Mitarbeitern umsetzt. Die Arbeit lohnt sich. Vor Einführung des MES kam das Werk auf 4,6 fehlerhafte Teile bei einer Million produzierten Einheiten. Durch die mit dem MES vorgenommenen Optimierungen verbesserte sich diese Kennzahl im Jahr 2018 auf nur noch ein einziges fehlerhaftes Teil, und das pro zehn Millionen produzierten Einheiten.

Auch in der Mai-Ausgabe unseres Kundenmagazins ESSENTIAL berichten wir darüber, wie die Digitalisierung die Produktion in Fabriken verändert. Lesen Sie hier mehr.

Im Video-Interview erklärt Werkleiter Dr. Matthias Götzfried, wie ein „Manufacturing Execution System“ (MES) in der Steuerung der Fabrik von Freudenberg Sealing Technologies am Standort Berlin-Adlershof eingesetzt wird.

×

Neuigkeiten aus erster Hand?

Neuigkeiten und Hintergründe aus der Dichtungstechnik erfahren, innovative Produkte kennenlernen – im kostenlosen E-Mail-Newsletter von Freudenberg Sealing Technologies.